Victor Nicoara

pianist / composer

 

 

Victor Nicoara (geboren in Rumänien im Jahre 1984) lebt seit seiner Kindheit eine Art Doppelleben, indem er seine Zeit wie auch Energie beständig zwischen seinen zwei größten Leidenschaften aufteilt, nämlich der Interpretation und der Komposition von Musik, welche in gegenseitiger Bereicherung zueinander stehen. Nicoara, der mit sieben Jahren seine ersten Unterrichtsstunden am Klavier erhielt und dessenersten Werke mit 14 Jahren entstanden, versuchte stets, sich abseits derbereits beschrittenen und erkundeten Pfade zu bewegen. Stattdessen war er bestrebt ein ganz eigenes, persönliches Repertoire zu entfalten, sowie bedeutungsvolle und authentische musikalische Orte zu schaffen, welche er in seinen kompositorischen Unternehmungen begeht.

 

Die künstlerische Suche, das stete Erforschen und Entdecken, wurde maßgeblich von seinen Lehrern – Andrew Ball (Klavier), Huw Watkins und Jonathan Cole (Komposition) – am Royal College of Music in London gefördert, wo Nicoara das Masterstudium in den Fächern Klavier und Komposition abschloss.Als Pianist erhielt er weitere bedeutendekünstlerische Inspiration von Jacques Rouvier und Fabio Bidini, und besuchte außerdem Meisterkurse von Vitaly Margulis, Dimitri Alexeev, Karl-Heinz Kämmerling und Paul Badura-Skoda. Als Komponist erhielt er wichtige Anregungen von Helmut Lachenmann, Collin Matthews, Mark-Anthony Turnage, Julian Anderson, Dan Dediu und Ștefan Niculescu.

 

Victor Nicoaras Konzerte haben ihn durch ganz Europa wie auch in den mittleren Osten geführt; er gab Konzerte im Bukarester Athenäum, im Salle Flagey in Brüssel sowie in der Philharmonie in Berlin. Seine künstlerische Arbeit beinhaltet außerdem gemeinsame Projekte mit dem PODIUM Festival Esslingen und dem Literaturhaus Berlin. Er hatte außerdem das Glück musikalische Partner zu finden, mit denen er eine starke kommunikative und musikalische Dynamik aufbauen konnte. Als solche Partner und Partnerinnen lassen sich Leontina Văduva, Nina Bernsteiner, Yoel Gamzou, Vlad Maistorovici, Stefan Hadjiev, Emanuel Graf und Carolina Eyck nennen. Nicoara gab des Weiteren als Solist Konzerte mit den philharmonischen Orchestern Bacău, Timișoara und Craiova und kollaborierte darüber hinaus mit der Neuen Philharmonie München. Seine Kompositionen wurden von Ensembles wie der RCM Sinfonietta, dem Trio Alto, dem IMO Chamber Ensemble und anderen neuen Musikensembles aufgeführt. Erst kürzlich wurde sein Stück “Towards eternally changing distances” (2014) vom Staatsorchester Kassel unter der Leitung von Yoel Gamzou uraufgeführt.

 

Seit 2009 ist Victor Nicoara ein permanentes Mitglied des International Mahler Orchestra sowie des neuen Teilprojekts “IMOGEN” - ein Ensemble bestehend aus herausragenden Musikern und Musikerinnen aus ganz Europa, die sich der Erforschung alternativer Ansätze des Ensemblespiels widmen. Das Ensemble verpflichtet sich insbesondere dazu, originelle Programme und innovative Konzertformate zu entwickeln und aufzuführen. Victor Nicoaras Mitwirkung hierbei hat sich in den vergangenen Jahren zunehmend gesteigert, und so ist er mittlerweile sowohl stellvertretender Leiter der Kammermusik-Serie, als auch ein aktives Mitglied des Ensembles.

 

Neben seinen rein musikalischen Aktivitäten verfolgt Nicoara außerdem diverse Interessen des breiteren Kunstspektrums: Von 2010 bis 2012 führte er zahlreiche Vorstellungen mit dem Schauspieler Jon Kiriac (Berlin) auf, in denen Theater und Musik miteinander in Verbindung gebracht wurden. Außerdem war er als Komponist und Pianist für die Musik zu dem Stummfilm „Bubico“ als Teil des Festivals „Caragiale 100“ in Berlin verantwortlich und ist der musikalische Berater des demnächst aufgeführten Feature-Films “Prélude”.

 

Victor Nicoara hat stets eine Leidenschaft wie auch eine Verantwortung dafür gespürt, weniger bekannte Stücke einzustudieren und aufzuführen. Diese Neigung hat ihn auch dazu geführt, eine starke musikalische sowie spirituelle Resonanz in der Musik von Erik Satie, Georges Enescu, Morton Feldman und insbesondere in den Werken von Ferruccio Busoni zu finden - welche mittlerweile einen beinahe allgegenwärtigen Teil seiner Konzertprogramme bilden.

 

Berlin ist nun seit einigen Jahren Nicoaras Zuhause und eine starke Beeinflussung für ihn geworden. Seit dem Ende seiner formalen Ausbildung war es eben dieser Umzug von London in die Hauptstadt Deutschlands,derihn in seinem Kompositionsansatz völlig neu denken ließ. Durch die Hinterfragung seiner vorherigen Praktiken und Vorstellungen entfernte er sich von einem methodisch konstruktivistischen Ansatz und verfolgt dafür nun eine intuitivere und organischere Praxis.

 

Nicoara hat sich bereits mit vielen unterschiedlichen Klavieren angefreundet und ist stets gleichzeitig aufgeregt und bange herauszufinden, wer sein Klaviatur-Partner für den Abend sein wird.


Photos by Oran Greier